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Urlaubsanspruch bei Kündigung

Rechtsanwalt Altug

Wenn ein Mitarbeiter aus einem Unternehmen ausscheidet, kann es durchaus sein, dass dieser noch Urlaub übrig hat. Es gibt diverse Möglichkeiten, wie mit einem Resturlaubsanspruch umgegangen werden kann.

Berechnung der Urlaubstage

Wie viel Urlaubstage ein Mitarbeiter hat, ist mit großer Sicherheit in seinem Arbeitsvertrag geregelt. Gemäß des Bundesurlaubsgesetzes sind es mindestens 24 Werktage ausgehend von einer Sechstagewoche. Bei einer Fünftagewoche sind es mindestens 20 Arbeitstage.

Die Voraussetzung für den Erhalt des Mindesturlaubsanspruchs ist die tägliche Erbringung der Arbeitsleistung. Anders stellt sich die Situation bei Mitarbeitern dar, die weniger als fünf Tage in der Woche ihre Arbeitsleistung erbringen. Um den Urlaubsanspruch von solchen Teilzeitkräften zu berechnen, gehen Sie wie folgt vor: Gehen Sie von einem Urlaubsanspruch von vier Wochen multipliziert mit der entsprechenden Anzahl wöchentlicher Arbeitstage aus.

Also beispielsweise 4 x 3 Arbeitstage = 12 Urlaubstage

Wieviel Resturlaubstage stehen mir zu?

Wie viel Resturlaub ein Arbeitnehmer hat, hängt grundsätzlich davon ab, in welcher Jahreshälfte er gekündigt wird. Ein Arbeitnehmer hat bekanntlich pro Jahr einen gewissen Urlaubsanspruch. Der volle Jahresurlaubsanspruch ist allerdings erst nach sechs Monaten gegeben. Damit hat ein Arbeitnehmer einen Resturlaub in Höhe seines vollen Jahresurlaubes, wenn er in der zweiten Jahreshälfte aus dem Unternehmen ausscheidet und er bis dahin noch keinen Urlaub genommen hat.

Dies mag unfair erscheinen, aber die Regelung hat gute Gründe: So soll der Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers zur Erholung dienen. Wechselt der Arbeitnehmer aber die Arbeitsstelle, hat er in den ersten sechs Monaten meist faktisch eine Urlaubssperre. Daher soll ihm zumindest der ganze Jahresurlaub seiner alten Stelle zustehen, wenn er dort mehr als sechs Monate gearbeitet hat.

Berechnung des Urlaubsanspruches als Urlaubsabgeltung

Zur Berechnung einer finanziellen Urlaubsabgeltung für nicht genommene Urlaubstage wird der Durchschnittsverdienst des Arbeitnehmers für die letzten 13 Wochen durch die Anzahl der Arbeitstage dividiert und mit der Anzahl des verbleibenden Resturlaubs multipliziert, im Ergebnis wird schlicht der tägliche Durchschnittslohn ermittelt und ausgeglichen.

Es ist allerdings wichtig, dass der Resturlaub nicht automatisch in den Freistellungszeitraum fällt. Sofern keine entsprechende Vereinbarung getroffen wurde, bedeutet die Freistellung nur, dass der Arbeitnehmer seine Leistung nicht mehr erbringen muss, aber trotzdem Lohn/Gehalt erhält. Unter strengen Voraussetzungen ist die Freistellung unter Anrechnung des Resturlaubs allerdings möglich.

Urlaub ist in natura zu nehmen

Unter Fortzahlung des Gehaltes wird der Mitarbeiter für eine bestimmte Zeit von der Arbeit freigestellt, der Urlaub wird also in natura gewährt.

Kann der Arbeitnehmer den Urlaub nicht mehr in natura nehmen, wenn also das Arbeitsverhältnis nicht mehr besteht, können die Resturlaubstage ausgezahlt werden. Für diese Bezahlung erhält der Arbeitnehmer also Urlaubsabgeltung.

Kann mein Arbeitgeber mir Resturlaub streichen?

Sofern der Arbeitgeber also eine ordentliche Kündigung ausspricht und diese Kündigung wirksam ist, endet das bestehende Arbeitsverhältnis mit Ablauf der Kündigungsfrist. Viele Arbeitgeber verweigern jedoch in einer solchen Situation den Erholungsurlaub oder nehmen bereits gewährte Urlaubstage zurück. Beides ist nicht mit dem Gesetz vereinbar.

Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel. Der Arbeitgeber kann nämlich darauf bestehen, keinen Rest Urlaub zu gewähren, wenn beispielsweise ein neuer Mitarbeiter eingearbeitet werden muss oder andere betriebliche Erfordernisse in den Vordergrund rücken.

Anspruch von Resturlaub bei fristloser Kündigung

Selbst im Falle einer außerordentlichen fristlosen Kündigung hat der Arbeitnehmer Anspruch auf seinen Urlaub. Es muss dem Arbeitnehmer also grundsätzlich ermöglicht werden, seinen Resturlaub in der verbleibenden Zeit im Unternehmen zu nehmen. Sollte die Einhaltung einer Kündigungsfrist unzumutbar sein, kann der Arbeitnehmer seinen Resturlaub in Form von bezahlten freien Tagen nutzen. Gerade bei fristlosen Kündigungen ist dies oft der Fall, denn es besteht beiderseitig meist kein Interesse daran sich weiterhin über den Weg zu laufen.

Unter Anrechnung der verbleibenden Urlaubstage kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer auch sofort von der Arbeit freistellen.